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Von Problemen im Studienalltag, Pflichten und Erfolgen: Ein persönlicher Rückblick auf das Forschungsprojekt von Helmut Aatz

Mit großer Skepsis habe ich mich vor ca. 1 Jahr auf das RODS-Projekt „achtsam studieren“ eingelassen. Der Widerspruch zwischen verpflichtender Lehrveranstaltung einerseits und Achtsamkeit andererseits, die nur als freiwillige Praxis denkbar und sinnvoll ist, hat mir anfänglich viel Kopfzerbrechen bereitet. Darüber hinaus hat mich die Frage umgetrieben, wie ich Studierende für Achtsamkeit und Meditation überhaupt interessieren und sogar gewinnen könnte. Klaffen doch ein paar Jahrzehnte zwischen meinen Studienerfahrungen und der heutigen Hochschulrealität.

Freiwilligkeit vs. Verpflichtung

Im Rückblick, so glaube ich, war sowohl das konzeptionelle Ringen um eine Auflösung des Widerspruchs zwischen Freiwilligkeit und Verpflichtung ein ebenso wichtiger Erfolgsfaktor wie die Suche nach einer zielgruppengerechten Ansprache. Gerade was den letzten Punkt angeht, bin ich den studentischen Mitstreitern im Projekt dankbar für die vielen Gespräche und die für mich so wichtigen und erhellenden Anregungen und Informationen zur heutigen Lebenswelt von Studierenden. Denn am Ende des Projektes, kann ich trotz meiner großen anfänglichen Bedenken nicht daran vorbeisehen, dass das Achtsamkeitstraining erfolgreich war, viele Studierende erreicht und inspiriert hat und insgesamt besser funktioniert hat, als ich es für möglich gehalten habe.

Pflicht ist nicht immer negativ

Es gab viele positive Überraschungen für mich: eine hohe Konzentration und Aufmerksamkeit schon in der ersten Trainingseinheit, keine Probleme mit Smartphones oder Hörsaalgeflüster, Bereitwilligkeit bei den Meditationen mitzumachen und Engagement in der Kleingruppenarbeit. Endgültig versöhnt mit dem gesamten Forschungsdesign, hat mich das Feedback im letzten Training: Viele Studierenden berichteten, dass sie viel gelernt hätten und dass sie froh waren, das Training mitmachen zu können. Einige sagten sogar, dass sie es im Nachhinein gut fanden, dass das Training eine Pflichtveranstaltung gewesen war, da sie es sonst nicht besucht hätten.

Lerntagebücher zeugen von Erfolg

Sehr gefreut hat mich die hohe Zahl von abgegebenen Lerntagebüchern, die über einen Zeitraum von 6 Wochen bearbeitet werden mussten. Insgesamt wurden 23 Tagebücher abgegeben, was eine Quote von über 20 % bedeutet. Bedenkt man, dass das Führen eines Lerntagebuchs freiwillig war und mit einem nicht unerheblichen Aufwand verbunden war, erachte ich den Rücklauf als sehr hoch. Beglückt und beeindruckt hat mich dann das Lektorat der Lerntagebücher, die allesamt ehrlich (Anonymität war gewährleistet) und ernsthaft geführt wurden und den Nutzen des Achtsamkeitstrainings zumindest für diese Studierenden eindrücklich dokumentiert haben.

Mit kleinen Schritten Großes erreichen

Mein Fazit: Das Projekt hat mir die Augen dafür geöffnet, dass es manchmal reicht, Samen zu legen, einen ersten Eindruck von Achtsamkeit als einem wichtigen, aber vielleicht fremden Thema zu vermitteln und die Möglichkeit zu bieten, einen bewussteren, freundlicheren und wohlwollenderen Umgang mit sich selbst kennenzulernen. Allein das verändert offensichtlich schon den Umgang mit sich und dem Studium. Wer mehr möchte, muss sich selbst auf den Weg machen.

 

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