Tipps & Übungen zum achtsamen Studieren

Achtsamkeit im Alltag: Die Wunder des Alltags

Die Wunder des Alltags sind oft klein, unscheinbar und manchmal etwas versteckt. Meistens haben wir nicht genug Zeit für sie. Sie sind zu unwichtig angesichts des großen Glücks, das in der Zukunft auf uns wartet. Wir sind zwar „hier“, wollen aber „dort“ sein, weil es dort besser ist als hier. Deshalb rotieren wir und verfolgen pausenlos unsere Ziele.

Ziele werfen auch Schatten

So wichtig Ziele sind, vor allem in der Arbeit, sie werfen einen Schatten auf die Gegenwart. Im Lichte von Zielen, die wir erreichen wollen, um unser Leben, uns selbst, das Team, die Produkte oder die Welt zu verbessern, erscheint die Gegenwart defizitär, mangelhaft und in vieler Hinsicht verbesserungswürdig. Kein Wunder, dass wir weg wollen. Doch wenn wir dann da sind, wo wir hinwollten, hat sich das Glück schon wieder in die Zukunft verabschiedet.

Die Zukunft ist keine Glücksherberge

„Wonach du sehnlichst ausgeschaut, es wurde dir beschieden. Du triumphierst und jubelst laut: Jetzt hab ich endlich Frieden! Ach, Freundchen, rede nicht zu wild, bezähme deine Zunge. Ein jeder Wunsch, wenn er erfüllt, kriegt augenblicklich Junge“.

Den erfahrungsgesättigten Zeilen von Wilhelm Busch lässt sich nur schwer widersprechen. Wir können festhalten: die Zukunft ist keine Glücksherberge. Auch deshalb nicht, weil die Gegenwart der einzige Ort ist, an dem wir Glück, Freude, Wohlbefinden und Zufriedenheit erleben können. Und wäre unser Blick nicht so starr auf die Verbesserung einer mangelhaften Gegenwart und die Herstellung einer rosigen Zukunft gerichtet, würden wir die Wunder des Alltags auch besser wahrnehmen: das Angenehme, Zufriedenstellende, Glückmachende dieses Moments. Ja genau: jetzt! Denn in diesem Moment gibt es fast immer mehr Positives als Negatives, mehr Angenehmes als Unangenehmes, mehr Gesundes als Krankes, mehr Funktionierendes als Probleme. Es lohnt sich, den Blick für das Positive im Leben hier und jetzt zu schärfen. Hier eine Übung dafür.

  • Lassen Sie sich von Ihrem Smartphone in einem bestimmten Rhythmus, z. B. jede Stunde, an die folgende Übung erinnern.
  • Unterbrechen Sie Ihre Tätigkeit für 2 Minuten. Wenn es gerade nicht möglich ist, weil Sie z. B. mit jemand reden oder telefonieren, lassen Sie die Übung in diesem Moment aus, ohne ein Problem daraus zu machen. Nutzen Sie einfach die nächste Gelegenheit.
  • Atmen Sie ein paar Mal tief ein und aus und achten Sie auf die Körperempfindungen beim Atmen. Das hilft Ihnen aus Ihrer Tätigkeit auszusteigen und zu sich zu kommen.
  • Fragen Sie sich nun, was es im Moment gerade Positives, Angenehmes, Erfreuliches, Beglückendes gibt? Beginnen Sie mit Ihrem Körper: Wo in Ihrem Körper oder an der Haut fühlt es sich gut an. Vielleicht sind sogar die Empfindungen im ganzen Körper eher angenehm als unangenehm. Würdigen Sie auch schwache und unspektakuläre wohlige Körperempfindungen. Denken Sie dran: es könnte anders sein.
  • Fragen Sie sich dann, was es gerade Positives in Ihrem Leben gibt. Gibt es etwas, worauf oder worüber Sie sich freuen oder vor kurzem gefreut haben? Gibt es etwas, was Ihnen gerade Spaß macht? Gibt es etwas, wofür Sie dankbar sein können, jetzt im Moment, z. B. dass etwas einfach funktioniert? Gibt es etwas Schönes oder Spaßiges. Seien Sie nicht anspruchsvoll. Auch sehr kleine Freuden fördern Ihr Glück.

Diese Übung ist vielleicht schwierig, wenn Sie den Eindruck haben, dass es im Moment für Sie viel Unangenehmes, Ätzendes oder Schmerzhaftes gibt. Doch gerade dann wirkt sie. Versuchen Sie das Positive auch in schwierigen Situationen zu entdecken, ohne das Unangenehme klein- oder wegmachen zu wollen. Angenehmes und Unangenehmes gibt ist fast immer gemischt. Reine Freuden und Schmerzen sind selten.

Diese Achtsamkeitsübung stammt von Achtsamkeitstrainer Helmut Aatz vom Institut 3P.

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