Tipps & Übungen zum achtsamen Studieren

Achtsamkeit im Alltag: Aufschieben

Vor Weihnachten sind wir von Geschäft zu Geschäft gerast um die Geschenke für unsere Liebsten zu suchen, danach waren wir schon mitten in den Vorbereitungen für das große Silvester-Fest. Alltägliche Erledigungen mussten zugunsten von Spielzeug und Raclette aufgeschoben werden. Morgen holt uns nach den Feiertagen der Alltag wieder ein – und die vielen Hindernisse und unerledigten Sachen, die wir die ganze Zeit umgangen sind.

Aufräumen, Steuererklärung und Hausarbeit

Alleine die Steuererklärung, die Unordnung im Keller und die schwierige Hausarbeit sind nur ein paar von den vielen unangenehmen Dinge, die Sie noch erledigen sollten oder müssten. Manchmal erkennen Sie das Abschreckungspotential solcher Hindernisse an Ihrer heimlichen Freude, wenn Sie – wie an Weihnachten und Silvester – ganz Dringendes abhält, sie anzupacken. Das erspart Ihnen auch noch die Gewissensbisse, wenn Sie wieder mal aufschieben.

Aufschieben ist nicht immer schlecht

Um nicht falsch verstanden zu werden: Aufschieben ist eine wirksame Zeitmanagement-methode. Denn vieles erledigt sich von selbst: Gestern wichtig, heute nach hinten geschoben und morgen vergessen.

Irgendwann werden wir vom „Unerledigt“-Stapel eingeholt

Leider bleibt noch genug Unangenehmes übrig, das geduldig auf uns wartet und kein Gramm an Bedeutung verliert. Im Gegenteil. Dank unserer beliebten Last-Minute-Strategie bläht es sich immer weiter auf, bis der Handlungsdruck nicht mehr auszuhalten ist. Meistens geht das gerade noch mal gut, aber der nervenaufreibende Kampf zwischen Pest (das Unangenehme anpacken) und Cholera (das Unangenehme nicht angepackt zu haben) ist nicht lustig. Und das ist noch die positive Variante. Das Schieben hat ein Ende. Es geht aber auch ohne: Wir schaffen es einfach nicht, das Hindernis anzupacken und aus dem Weg zu räumen. Das ist dann noch weniger lustig. Mit jedem Verschieben werden Hindernis, Vorsätze und Selbstvorwürfe größer, der Schlaf schlechter und das Selbstvertrauen kleiner.

Raus aus dem Verschiebe-Teufelskreis

Hier ist eine achtsame Selbstreflexionsübung, mit der Sie gleich zu Beginn des Jahres aus dem Verschiebe-Teufelskreis ausbrechen können. Wenn Sie das nächste Mal bemerken, dass Sie verschieben wollen, halten Sie inne, atmen Sie ein paarmal bewusst ein und aus. Lassen Sie dann folgende Fragen „in sich sinken“ und geben Sie sich etwas Zeit für die Antwort.

  • Muss ich das Unangenehme wirklich erledigen oder kann ich es vielleicht ganz aufgeben? Welche Gedanken, Sorgen, Befürchtungen tauchen auf, wenn Sie sich entscheiden würden, das Unangenehme gar nicht mehr anzupacken. Dieser Check hilft Ihnen, besser einzuschätzen, was auf dem Spiel steht für Sie?
  • Was ist eigentlich das Unangenehme, dass ich vermeide? Was befürchte ich, wovor habe ich Angst? Versuchen Sie Ihre Gedanken und Gefühle nur wahrzunehmen, ohne Sie sofort zu beurteilen oder zu „behandeln“.
  • Wieweit entspringen Ihre Gedanken (und die mit ihnen einhergehenden Gefühle) Phantasien über die Zukunft? Meistens ist die Realität anders und viel weniger schlimm als unsere Vorstellungen. Vielleicht fallen Ihnen eigene Erfahrungen ein, die das bestätigen.
  • Was könnte ein erster (oder nächster) kleiner Schritt auf das Hindernis zu sein, den Sie mit Ihren Befürchtungen und Ihrer Angst gehen können? Angesichts wiederholten Verschiebens ist der kleinste gegangene Schritt ein Erfolg.

Manchmal ist der Verschiebe-Teufelskreis so hartnäckig, dass solche Übungen wie Antibiotika gegen Influenza wirken, nämlich gar nicht. Scheuen Sie sich nicht, in solchen Fällen professionelle Unterstützung zu suchen.

Das RODS-II Team wünscht Ihnen einen guten Start ins neue, hoffentlich hindernisarme Jahr!


Diese Achtsamkeitsübung stammt von Achtsamkeitstrainer Helmut Aatz vom Institut 3P.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s