Tipps & Übungen zum achtsamen Studieren

Achtsamkeit im Alltag: Der Gugelhupf und das Glück

Wie lange müssen Sie noch auf Ihr Glück warten? Bis zum nächsten Wochenende? Bis zum nächsten Urlaub? Bis zu den Semesterferien? Bis das Projekt endlich geschafft ist? Bis Sie einen Job haben? Oder erst bis Sie in Rente sind? Wie viele dieser ersehnten Glückstermine waren schon fällig – und dann mussten Sie sie wieder verschieben, weil das Glück anscheinend nichts vom Termin wusste?

Glück kennt keinen Termin

Viele werden immer wieder vom Glück versetzt. Deshalb kommt es einem dann manchmal wie ein schlechter Witz vor, wenn man angesichts aktueller Probleme zurückschaut und denkt: „Wie gut es mir früher gegangen ist!“. Eine berühmte Schauspielerin hat es auf dem Sterbebett treffend beschrieben: „Ich hatte ein wundervolles Leben. Hätte ich es nur mitgekriegt.“

Glück ist wie ein Gugelhupf

Tatsächlich sind Lebensphasen ungetrübten Glücks eher die Ausnahme. Wir sind leider nur selten verliebt. Im Normalfall bietet uns das Leben einen Cocktail aus Endorphinen und Cortisol und es ähnelt einem Gugelhupf, in dem mal mehr und mal weniger Rosinen stecken. Natürlich wünschen wir uns immer einen Gugelhupf mit mehr Rosinen (oder Schokodrops, wenn Sie keine Rosinen mögen). Das ist normal und auch kein Problem, solange Sie über den Wunsch nach mehr, die Rosinen nicht übersehen, die in dem Gugelhupf stecken, der gerade vor Ihnen steht. Es ist übrigens überraschend, wie viele man findet, wenn man sich mal auf seinen Gugelhupf eingelassen hat. Vermutlich hat Nietzsche an auch Gugelhupfrosinen gedacht, als er schrieb: „Als ich des Suchens müde ward, erlernte ich das Finden.“

Hier ist eine Achtsamkeitsübung, mit der Sie dieses Finden lernen kann:

  • Entscheiden Sie sich, wenn Sie morgens aufstehen, darauf zu achten, was Ihnen während des Tages Erfreuliches begegnet. Der erste Schritt zum Glück ist die Entscheidung und die Absicht, das Angenehme und Erfreuliche am Tag wahr- und ernst zu nehmen.
  • Versuchen Sie nicht nur die großen erfreulichen Ereignisse zu bemerken – das Kompliment Ihres Chefs oder der erfolgreiche Abschluss einer schwierigen Aufgabe, sondern auch die kleinen Ereignisse – die grüne Welle auf dem Weg zur Universität oder zur Arbeit, die Färbung der Blätter, das Lächeln eines Kollegen, das gut gebackene Croissant und das Lieblingslied im Radio.
  • Machen Sie sich das Angenehme, Schöne und Erfreuliche der Ereignisse ausdrücklich bewusst. Genießen Sie sie. Vielleicht bemerken Sie auch kleine Reaktionen in Ihrem Körper. Um die positiven Ereignisse mehr auszukosten und im Gedächtnis zu verankern, kann Ihnen helfen, wenn Sie innerlich zu sich sagen: „Ja, das ist jetzt angenehm, schön oder erfreulich“. Sie können auch eine mentale Strichliste machen und die Ereignisse zählen. Alles was Sie dabei unterstützt, den Ereignissen mehr Gewicht zu verleihen, ist gut.
  • Nehmen Sie sich am Ende des Tages etwas Zeit, um sich an die kleinen und großen positiven Erfahrungen zu erinnern. Dabei geht es nicht um Vollständigkeit sondern um einen positiven Tagesabschluss und die erneute Verankerung der positiven Erfahrungen im Gedächtnis.

Im Zeitalter der Neuroplastizität können wir uns nicht mehr darauf zurückziehen, dass uns Glück nicht beschieden ist. Glück muss man auch wollen. In diesem Sinne sind Sie eingeladen, die Übung oft zu wiederholen und das Rosinenpicken zu üben.

Diese Achtsamkeitsübung stammt von Achtsamkeitstrainer Helmut Aatz vom Institut 3P.

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