Allgemein

Studie: „Studierendenstress in Deutschland – eine empirische Untersuchung“

Zweiwöchentlich stellen wir Ihnen donnerstags Studien zum Thema Resilienz vor. Heute die Studie „Studierendenstress in Deutschland – eine empirische Untersuchung“ aus dem Jahr 2016 von Prof. Dr. Uta Herbst, M.Sc. Mareike Müller, Prof. Dr. Markus Voeth, M.Sc. Anne Theresa Eidhoff, M.Sc. Sarah Stief, untersützt von dem AOK, Bundesverband in Berlin.

Ziel der Studie:

Es „liegen keine Untersuchungen vor, die für verschiedene Hochschulformen, für verschiedene Abschlussarten, für einzelne Fachrichtungen oder für einzelne Regionen in Deutschland zeigen, wie gestresst Studierende innerhalb ihres Studiums tatsächlich sind“. Deshalb wurde diese Studie durchgeführt (vgl. S.6).

Das Thema „Studierendenstress an deutschen Hochschulen“ sollte in einer großzahligen empirischen Analyse untersucht werden. Folgende Fragestellungen wurden genauer betrachtet:

  • Wie hoch ist der Studierendenstress an deutschen Hochschulen insgesamt?
  • Durch welche Entstehungsfaktoren wird der Stress bedingt?
  • Variiert das Stressempfinden von Studierenden an deutschen Hochschulen in Bezug auf Hochschulform, Abschlussart, Studiengang usw.?
  • Gibt es regionale Unterschiede beim Studierendenstress?
  • Wie stressempfindlich sind Studierende an deutschen Hochschulen?
  • Wie gehen Studierende mit Stress im Studium um, wie versuchen sie den Stress zu bewältigen?
  • Welche Angebote von Hochschulen, mit Stress umzugehen bzw. diesen zu bewältigen, nehmen die Studierenden wahr, welche Angebote werden genutzt?
  • Welche Hilfestellung suchen/nutzen Studierende außerhalb ihrer Hochschule?

Methode:

Erhebungszeitraum

22. Juni 2016 bis 22. Juli 2016

Teilnehmer

18.214 Studierende nahmen an der Onlinebefragung teil. 51,6 % der befragten Studierenden waren männlich und 48,4 % weiblich. Die befragten Studierenden kamen von Fachhochschulen, Universitäten, dualen Hochschulen und pädagogischen Hochschulen.

Messverfahren

Die teilnehmenden Studierenden haben einen Fragebogen ausgefüllt, der in vier Blöcke bzw. Bereiche gegliedert war. Dieser war wie folgt aufgebaut:

  1. Block – Soziodemographische Daten (Alter, Geschlecht, etc.)
  2. Block – Wahrgenommener Stress in den Stressdimensionen (Intrapersonell, Interpersonell, Alltagsorganisation/Arbeit, Hochschulbezogen)
  3. Block – Resilienz und Präventionstechniken (Bestimmung der persönlichen, psychischen Widerstandsfähigkeiten von Individuen, Maßnahmen zur Stressprävention, Unmittelbare Reaktion auf Stress, Maßnahmen zum Stressmanagement)
  4. Block – „Wunschliste“ der Studenten (Angebote bzw. Maßnahmen, die sich Studenten zur Stressprävention/Bewältigung wünschen)

Ergebnisse:

Studienstress an deutschen Hochschulen

Zunächst wurde untersucht inwiefern die Studenten verstehen was Stress ist, bzw. was sie darunter verstehen. Vor allem wurde der Begriff Stress in Verbindung mit „Zeitdruck“, „Leistungsdruck“, „Überforderung“, „Erwartungsdruck“, „Nervosität/innere Unruhe“ und „(Selbst-)Zweifel“ gebracht und weniger mit „Motivation“, „Antrieb“ oder „Leistungsförderung“ (S.26).

Um herauszufinden, wie das allgemeine Stressniveau der Studierende ist, wurde die Skala von Cohen/Williamson benutzt. Diese zeigt an, dass der durchschnittliche Stresswert bei 19,84 (53%) liegt und sich somit zwischen dem mittlerem und hohem Stresslevel befindet. Um die Ergebnisse zu vergleichen wurde der Durchschnitt der gestressten Beschäftigten in Deutschland herangezogen. Dieser zeigt an, dass 50% der Befragten einen hohen Stresslevel aufweisen – also 3% weniger als die Studenten (vgl. S. 27f.).

Viele verschiedene Faktoren beeinflussen den Stresslevel – zum Beispiel das Geschlecht. Laut Studie sind es mehr weibliche Studierende, die unter Stress leiden. Außerdem spielt es eine Rolle, ob der Studierende einen Nebenjob hat oder nicht. Die Umfrage zeigte, dass sich die Studenten, die eine Nebenbeschäftigung von mehr als 15 Stunden pro Woche haben, gestresster fühlen, als die mit einer Nebenbeschäftigung von weniger als 15 Stunden pro Woche. Auch die persönliche Einschätzung, wie schnell sie ihr Studium beenden werden, stresst die Studenten. Die Studenten, die ihr Studium in der Regelstudienzeit abschließen, empfinden weniger Stress (vgl. S.28f.).

Stressanfällige Studienangebote- Hochschulform, -region, Abschlussart, Studienfächer

Hochschulform und -region:
Der größte Anteil gestresster Studierender mit 56 %, lässt sich an Hochschulen finden, den zweiten Platz belegen die Studierenden an Universitäten mit 52% (vgl. S.30). Die am meisten gestressten Studierenden, mit 6,5 Prozentpunkten des durchschnittlichen Stresswertes, leben in Nordrhein- Westfalen. Die mit dem geringsten Stresswert leben in Rheinland-Pfalz.

Abschlussart:
Studierende, die einen Bachelorabschluss anstreben, sind mehr gestresst als die eines Masterstudiums.

Studienfächer:
Studierende der Veterinärmedizin, Agrar-/Forst- und Ernährungswissenschaften und der Informatik sind am meisten gestresst. Studierende der Sprach- und Kulturwissenschaft, der Geisteswissenschaften, des Lehramts und der Sportwissenschaften sind weniger gestresst (vgl. S.31-35).

Faktoren für den Stress

„Die wichtigste hochschulbezogene Ursache für Stress stellen Prüfungen dar. Hier empfinden Studierende Vorbereitungen auf die Prüfungen sowie das Anfertigen von Abschlussarbeiten als besonders stressig“ (S.36).

Auch wird die Arbeitsbelastung als weiterer Stressfaktor genannt, sowie dass Frauen signifikant gestresster sind als Männer, da „sie den großen Stoffumfang, das Anforderungsniveau in den Veranstaltungen und die unausgeglichenen Anforderungen der Veranstaltungen“, als stressiger empfinden (S.37). Auch in dem Bereich „Studieneinstieg“ fühlen sich die Frauen meist gestresster als die Männer (S.38).

Ebenso wird es als Stress empfunden, die eigenen Erwartungen zu erreichen oder zu erfüllen. Für Universitätsstudierende ist dieses weitgehend stressiger, als für Fachhochschüler. Ebenso ist für Studierende, die keinen Nebenjob haben, die geforderte Selbstständigkeit stressiger, als für diejenigen, die neben dem Studium arbeiten (S.39).

Weitere wichtige Faktoren sind die „Pflege zu sozialen Kontakten und die ständige Erreichbarkeit durch Smartphones, Internet und neue Medien“. Auch ein geführter Konkurrenzkampf, lässt die Studierenden unter Stress leiden. Hier fühlen sich Universitätsstudierende gestresster als Fachhochschulstudierende (S.41).

Daneben stellt die zeitliche Vereinbarkeit von Studium und privaten Aktivitäten ein weiterer Faktor dar, der die Studierenden deutlich stresst. Auch in diesem Punkt sind die Frauen gestresster als die Männer und Universitätsstudierende gestresster als Fachhochschulstudenten.

Schlussfolgerungen:

Die Resilienz stellt ein wichtiges Element für die Studenten dar, damit sie Ihren Stress reduzieren können. In der Studie wurde herausgefunden, dass „die Mehrzahl der Befragten über eine eher niedrige Stressresilienz verfügen“. Diese liegt laut Studie bei 44 %. Interessanterweise gibt es dennoch vergleichsweise viele Studenten (33,3%), „die eine hohe Stressresilienz aufweisen“ (S.42). Dafür verantwortliche Faktoren sind das Geschlecht, die Art des Abschlusses, ob man einen Nebenjob ausübt und in welchem Bundesland studiert wird.

Die Stressreaktionen sind außerdem sehr unterschiedlich. Um diese festzustellen wurde ermittelt, wie Studenten auf spontane stressige Situationen reagieren. Die typischste Reaktion ist die Unzufriedenheit, gefolgt von Unruhe oder der Suche von Ablenkung. Hier wird auch deutlich, dass weibliche Studierende anders auf Stress reagieren, als ihre männlichen Kommilitonen. Sie neigen eher dazu zu weinen, wohingegen männliche Studierende sich eher ablenken oder mehr Genussmittel zu sich nehmen. Unter anderem wurde auch angegeben, dass die Befragten vermehrt unter Schlafstörungen, Konzentrationsschwierigkeiten, Lustlosigkeit und die Vernachlässigung sozialer Kontakte leiden (S.46). Was dagegen helfen würde, wären „Präventationsmaßnahmen von Aufgabenpriorisierung“, über Gespräche mit Partnern, Freunden und Familien bis hin zu Sport und Yoga.

Ebenso ist die Unterstützung der Hochschulen oder externer Unterstützungsangebote wichtig. Hier geben die Studenten an, dass sie wissen, dass Hochschulen zum Beispiel Vorträge über Stressmanagement halten oder es zentrale Studienberatungen gibt. Diese Angebote werden jedoch von den Studierenden (70%) meist nicht genutzt. Der Gedanke, dass man als krank eingestuft werden könnte, könnte hierfür der Grund sein. Viele der Studierenden sagen jedoch, dass sie die Angebote für hilfreich einstufen, auch wenn sie diese nicht nutzen. Dennoch würden 24,6 % der Befragten Angebote von der Hochschule annehmen, 19 % lieber hochschulexterne Angebote.

Angebote von hochschulexternen Organisationen wie z.B. von Krankenkassen, werden von den Studenten dennoch seltener genutzt. 11,3 % gaben an, dass sie solche in Anspruch genommen haben. Die häufigsten genutzten Angebote sind hier ärztliche und therapeutische Unterstützungen. Aber auch die Hilfe von religiösen Gruppen wurden als besonders hilfreich eingestuft.

„In Bezug auf die gewünschten Beratungsformen zum Thema Stress wünscht sich die Mehrzahl der Studierenden (73,1 %) persönliche Beratungsangebote in Form von Einzelberatungen. Des Weiteren sind Informationen über Homepages (35,6 %) und schriftliche Beratungen (34,3 %) von Interesse für Studierende“ (S.56).

Dieses Exzerpt wurde verfasst von Stella Brug.

 

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s